Reisebericht Zeitraum 10.04.-17.04.
Anfang:
DIE ARBEIT RUFT
Donnerstagmorgen (10.09), 8:00 Uhr. Piep Piep… Piep Piep… Piep Piep… Piep Piep. Mein neuer Job wartet auf mich. Beziehungsweise: leichtes Gelächter beim Lesen vieler – das ist ja nichts Neues. Nein, diesmal warte ich auf den neuen Job.
8:55 Uhr – alles ist vorbereitet, und um 9 Uhr geht es los. Sina liegt im Bett, bis ich fertig bin, während ich arbeite. Dank Noise Cancelling klappt das auch gut auf zwei Quadratmetern. Sina hatte die Erholung auch nötig.
Bis 13 Uhr habe ich gearbeitet und zur Stärkung noch ein paar Brote bekommen. Danach ging es nach Bardolino zum Gardasee, zu einer Eisdiele namens „Cristallo“. Dort habe ich vor ca. 19 Jahren zuletzt ein Eis gegessen. Also Bulli wieder eingeräumt, und auf ging’s. Die Sonne schien, und das Eis war genauso lecker wie damals – nur etwas teurer. Wir haben 2,50 € für eine Kugel bezahlt. Jeder hatte zwei Kugeln, und damit schlenderten wir am Wasser entlang und haben den restlichen Tag dort genossen.
Auf dem Rückweg zum Bauernhof noch ein kurzer Stopp bei Decathlon – ein paar Flip-Flops und einen Badeponcho für mich gekauft.
Bei der Ankunft am Bauernhof gab es dann eine schöne Überraschung:
Die Schweizer Marco und Steffi, die wir am ersten Abend getroffen hatten, waren auch dort. Wir hatten ihnen eine SMS geschickt – allerdings mit der falschen Vorwahl. Statt +41 (Schweiz) hatten wir +91 (Indien) benutzt. Wir konnten die schweizerische 4 nicht richtig lesen, die sie uns aufgeschrieben hatten. Wir hatten vergeblich auf eine Antwort gewartet. Umso schöner das Wiedersehen – und die Erkenntnis auf beiden Seiten, dass jeder davon ausgegangen war, das jeweils andere Pärchen hätte doch kein Interesse an einem Treffen am Gardasee.
Nachdem das Missverständnis geklärt war, gab es das erste gemeinsame Bier. Die Sonne ging langsam unter, nette Gespräche – und um 21 Uhr fielen wir alle müde ins Bett.
(Ich hatte einige Fotos und Tage verwechselt – so ist es richtig.)
Piep Piep… Piep Piep… Piep Piep…
Freitag (11.04). Dasselbe Spiel mit der Arbeit.
Sina hat in der Zeit von 9–13 Uhr den Bulli aufgeräumt und eine ausgiebige Wanderung mit Marco und Steffi gemacht. Gemeinsam ging es dann um 14 Uhr zum Gardasee – etwas unterhalb von Bardolino – zu einem kleinen Strand, an dem wir uns in die Sonne legten und ein kühles Bier genossen.
Nach zwei Stunden ging es weiter nach Desenzano del Garda zu einer empfehlenswerten Eisdiele namens „Cono Loco“. Viele tolle Eiskreationen und wirklich leckeres Eis. Deutlich günstiger als „Cristallo“, da hier die erste Kugel 2 € kostet und jede weitere immer günstiger wurde.
Dann wieder zurück zum Bauernhof, das nächste Bier – und um 19 Uhr zum gemeinsamen Abendessen im hauseigenen Lokal des Bauernhofs. Wirklich gutes Essen dort zu einem fairen Preis.
Ein schöner Tag zu viert geht zu Ende, und wir gehen mit vollem Bauch und schönen Momenten ins Bett und schlafen.
Wir sind ausgeschlafen, und der neue Tag (Samstag, 12.04) grüßt mit warmer Luft, blauem Himmel und Sonnenschein. Zeit, weiterzuziehen. Das Wetter soll kippen, und wir reisen der Sonne hinterher – auch wenn es bestimmt noch einiges in der Gegend zu erkunden gäbe.
Wir frühstücken noch gemeinsam mit den Schweizern und verabschieden uns. Sie bleiben noch ein paar Tage, da sie Ende April in Slowenien auf der Soča Kajak fahren wollen. Wir bekommen noch eine ehrliche und nett gemeinte Einladung in die Schweiz zu einem traditionellen Käsefondue 🙂 Wow. Auf geht’s Richtung Slowenien.
Nach ca. vier Stunden sind wir am Ziel: ein schöner Stellplatz in Marezige auf einem kleinen Weingut. Hier dürfen wir – beim Kauf von drei Flaschen hauseigenem Wein zum Preis von 35 € – eine Nacht stehen. Nicht ganz günstig, aber immerhin bekommt man auch etwas für sein Geld.
Neben uns ist ein Pärchen um die 40 aus Slowenien. Wir sind die Einzigen dort. Eine tolle Aussicht und auch hier strahlender Sonnenschein. Nach einem netten, kurzen Gespräch mit den Nachbarn erfahren wir, dass es im Dorf einen bekannten „Weinbrunnen“ gibt. Wir wurden gewarnt: Wer dort hingeht, kommt nicht so schnell zurück. Aber: no risk, no fun. Also ab zum Brunnen.
Wir werden überrascht von einem tollen Blick auf die kleine slowenische Küste – und direkt daneben liegt Triest (Italien). Für 15 € bekommen wir ein Weinglas, das wir behalten dürfen, und können uns am Weinbrunnen bedienen. Es gibt vier Zapfhähne: je zwei Mal Weißwein und zwei Mal Rotwein. Mit jedem Schluck lässt sich mehr Gelassenheit spüren, und so verweilen wir eine Zeit lang an diesem tollen Ort.
Am Abend gibt es zur Vorspeise Tomaten-Mozzarella-Salat, danach Gnocchi mit Trüffelbutter – dazu das Spiel zwischen Dortmund und Bayern.
Sonntag (13.04)
Uns zieht es weiter gen Süden. Doch vorher ein kurzer Abstecher nach Triest. Eine aufregende Einfahrt ins Parkhaus mit engen Kurven sorgt für einen sicheren Parkplatz und Zeit für die Erkundung von Triest. Nach gut einer Stunde sitzen wir wieder im Bulli. Der Regen hat uns eingeholt. Ganz schön Tri(e)st(e). Sorry…
Bei schönem Wetter auf jeden Fall noch einen Besuch wert.
Das nächste Ziel ist Kroatien, zwischen Zagreb und Split. Dort wollen wir an einem kleinen Campingplatz etwas länger verweilen, um die letzten Tage zu verarbeiten.
Von Slowenien aus gibt es zwei Routen zum Campingplatz: Eine führt durch das Inland Kroatiens, die andere entlang der Küste, dauert jedoch etwa eine Stunde länger (ca. 6 Stunden). Wir nehmen die längere Route auf Empfehlung hin – und werden nicht enttäuscht. Wir sehen viel Wasser und die vorgelagerten Inseln Kroatiens. Eine tolle Küstenstraße mit gut zu fahrenden Serpentinen. Das Wasser schimmert türkisblau, und so gehen die Stunden dahin.
Nach 4 Stunden und 30 Minuten kommen wir am Fährhafen von Gradina an. Wir könnten auch weiter über Land fahren, aber wir wollen neue Wege erkunden, und eine Fährfahrt mit dem Bulli ist immer etwas Schönes.
Nach 20 Minuten kommen wir auf die Fähre, und nach weiteren 20 Minuten erreichen wir Žigljen auf der Insel Pag, die ans Festland angeschlossen ist. Von hier aus sind es noch 1 Stunde und 30 Minuten bis zum Ziel, die schnell vergehen bei den schönen Eindrücken, die uns das Land bietet.
Der Stellplatz (Camping Skradin) ist erreicht, und wir machen noch schnell Abendessen (Nudeln mit Pesto). Jetzt erst mal schlafen und von den Eindrücken erholen.
Montag (14.04)
Weit gefehlt. Der neue Tag klopft früh an die Bulli-Tür, und kurzerhand entscheiden wir uns doch weiterzufahren – um dann aber wirklich ein paar Tage Pause zu machen. Wir wollen in den Süden, bevor der Sommer uns mit heißen Temperaturen quält. Also alles wieder eingepackt, umgebaut, und ab auf die Autobahn. Ziel: Kus, Albanien. Das Navi sagt 7 Stunden und 12 Minuten. Wir brechen um 9 Uhr auf, machen nach den ersten 60 Kilometern noch einen Stopp in Kroatien, um zu tanken (1,34 € der Liter) und im „Tommy“ einzukaufen.
Vor der Grenze zu Bosnien & Herzegowina fällt uns zum Glück noch ein, dass wir die EU verlassen – und somit auch den Zugang zum Internet verlieren. Also noch schnell die Pässe auskramen, die Offline-Karten herunterladen und hoffen, dass alles gut geht und wir haben, was wir brauchen. Der Grenzübergang ist einfacher denn je. Nach nicht ganz einer Minute sind wir im Land. Es geht nach ca. 20 Kilometern Autobahn durch Dörfer sowie über Landstraßen – vorbei an viel Müll am Straßenrand und den ersten streunenden Hunden. Kurz vor der Grenze zu Montenegro machen wir noch einen kurzen Stopp am Bileća-See, um auch hier wieder ohne Probleme über die Grenze nach Montenegro zu kommen.
Soweit, so gut. Wir fahren weiter – auch hier wieder nur Landstraße –, um im Schnitt irgendetwas zwischen 60 und 80 km/h zu fahren. So sehen wir viele kleinere und größere Berge. Die Landschaft ist schön, wenn auch noch nicht alles blüht. Ein weiterer Stopp am Slansko-See in Montenegro und weiter Richtung Podgorica. Albanien liegt zum Greifen nah. Zur Info: Wir wollen Montenegro sowie Bosnien & Herzegowina auf dem Rückweg genauer bereisen und erkunden.
Die albanische Grenze gestaltet sich im Vergleich zu den vorherigen deutlich wuseliger und aufregender. Es gibt eine schmale Zufahrtsstraße, die auch von einigen LKWs genutzt wird, die bekanntlich etwas länger brauchen bei der Kontrolle. Dies führt dazu, dass die Autos versuchen, diese zu überholen, dabei jedoch den Gegenverkehr blockieren, der gerade ins Land einreist. So gibt es ein Hupkonzert und die ein oder andere Auseinandersetzung.
Um jedoch nicht stundenlang dort zu verbringen, bleibt uns nichts anderes übrig, als es gleichzutun. Bei der nächsten Gelegenheit also Vorlieb genommen – und zum Glück eine Lücke gefunden, bei der wir niemanden blockieren. Das galt für das Auto hinter uns allerdings nicht mehr. Getreu dem Motto: „Ich bin mir selbst der Nächste“ wird das Ganze einfach ausgesessen. Wir brauchen ca. 45 Minuten, um die Grenze zu passieren – auch hier dann wieder ohne Probleme.
Der Spaß geht hier aber erst so richtig los. Es gibt keine Autobahn – mal wieder. Da es scheinbar die einzige Straße in Albanien ist und alle zu unserem Campingplatz wollen, sind die Straßen entsprechend voll. Die Regeln zum Überholen sind hier am Überlebenswillen orientiert. Ich habe auf so einer kurzen Strecke nach den Kilometern noch nie so viele Kreuze am Straßenrand gesehen. Das macht aufmerksam – und zugleich eingeschüchtert.
Sina ist seit der albanischen Grenze am Steuer. Nicht die leichteste Aufgabe, wie sich herausstellt. Wir erleben viele waghalsige Überholmanöver. Zudem gilt hier das Recht: Wer am Straßenrand steht – was übermäßig oft der Fall ist – und weiterfahren möchte, fährt. So kommt es zu einem ständigen Stop-and-Go. Da dies die scheinbar einzige Straße ist, wollen alle entweder auf diese Straße auffahren oder eben auch abfahren – oder wissen es selbst nicht genau. Man muss sehr achtsam sein und sich wirklich an diese Fahrweise gewöhnen. Im Kreisverkehr gibt es häufig Straßenhunde, die dort liegen oder die Autos anbellen. Bauern, die ohne zu schauen auf die Straße laufen, um ihre Kuh von einer Seite des Feldes auf die andere Seite zu bringen.
Mittlerweile ist es 19 Uhr, und es wird langsam dunkel. Es fängt an zu regnen, und wir haben noch 76 Kilometer vor uns. Das Navi sagt: Noch 1 Stunde und 16 Minuten bis zum Ziel. Jetzt noch einmal die Zähne zusammenbeißen. Sina zieht durch und möchte es bis zum Schluss schaffen. Wir sind an Shkodra vorbei. Das letzte Stück ist Autobahn, und der Verkehr lässt nach.
Es ist ca. 20:30 Uhr, als wir am Campingplatz „Camping Tirana“ auf den Hügeln des Dorfes Kashar am See Kusit ankommen – und völlig erschöpft ins Bett fallen.
Wir bleiben 3 Tage. Dieses Mal wirklich!
Am Tag danach (15.04)
Passiert nicht viel. Wir frühstücken entspannt und fragen uns, was wir da gestern eigentlich gemacht haben. Wie aus 543 Kilometern und 7 Stunden und 12 Minuten dann doch knappe 12 Stunden werden konnten. Neue Länder, neue Regeln. Das ist mal wieder ein Lernprozess. Wir müssen uns entschleunigen.
Ich gehe noch angeln am See – das erste Mal. Zwar ohne Erfolg, aber trotzdem schön.
Am Abend sieht man zwischen den Weinreben am kleinen Abhang viele Glühwürmchen. Es wirkt wie ein funkelnder Sternenhimmel. Ein toller Anblick. Die Kröten melden sich zu unserer Schlafenszeit und singen ein Gute Nacht Lied – und wir schlafen.
Tirana (Hauptstadt von Albanien) ist das Tagesziel (16.04).
Der Ruhetag gestern war dringend notwendig, und so konnten wir – mit unserem netten Rentnerehepaar aus Köln, das uns beim Frühstück fragte, ob wir mit ihnen im Taxi nach Tirana mitfahren wollen – losziehen.
Wir hatten einen lustigen, tollen Tag zusammen. Mit dem Taxi ging es etwas außerhalb von Tirana zum Bunker Bunk’Art 1.
Es sei kurz erwähnt, dass wir beide bis zu diesem Tag überhaupt keine Ahnung von Albanien hatten – weder geschichtlich noch aktuell. Aber das sollte sich heute erfreulicherweise ändern.
Der zu besichtigende Bunker (1972–1984) wurde während des Kommunismus (1944–1990) unter Enver Hoxha erbaut. In dieser Zeit sollten zur Verteidigung des Landes rund 200.000 Bunker errichtet werden, nachdem das Land in den Jahren zuvor durch Italien und Deutschland überfallen worden war.
Albanien war also bis vor etwa 35 Jahren in mancher Hinsicht so etwas wie Nordkorea heute – nicht in allen Punkten vergleichbar, aber was die Abschottung zum Ausland betrifft, sowie durch ein umfassendes Netz an Geheimpolizei, Überwachung und Arbeitslagern. Meinungsfreiheit, Pressefreiheit oder politische Opposition existierten bzw. existieren dort nicht.
Wenn man dann durch die drei Etagen der Bunkeranlage läuft – die mit sehr vielen Informationen gefüllt sind – ist es ein komisches Gefühl. So ganz greifen kann man es nicht, dafür fehlt mir das wirkliche Verständnis.
Danach ging es zu Fuß zur Seilbahn, mit der wir auf 1.613 Meter zum Hausberg von Tirana, dem Berg Dajti, gefahren sind. Eine schöne Aussicht auf Tirana und das umliegende Gebirge.
Wieder unten angekommen, ging es mit dem Bus ca. 20 Minuten in die Innenstadt. Wir steigen ein, und ich möchte – wie gewohnt – beim Einsteigen ein Ticket kaufen. Der Busfahrer winkt mich durch. Ich gehe davon aus, dass es ihm zu umständlich ist, sich mit Touristen über Fahrpreise und Tickets zu unterhalten, und bedanke mich für die kostenlose Fahrt.
Kaum fährt der Bus los, kommt ein kräftig gebauter Mann mit einem großen Bündel Geldscheine und einer Ticketrolle zu mir. Hier werden die Tickets im Bus von einem Fahrkartenkontrolleur einzeln verkauft. Ich zahle 40 Cent für die Fahrt.
Es steigen immer wieder Leute ein und aus. Der Mann hat gut zu tun und läuft ständig von vorne nach hinten durch den Bus. In Deutschland müsste er ein dreijähriges Training durchlaufen und sich pro Stunde 200 Gesichter merken, damit auch ja keiner ohne Fahrschein davonkommt.
Es ist wuselig in der Stadt, der Aufbruch ist sichtbar. Einige moderne Häuser, viele alte Häuser, und in den Schaufenstern sieht man die Visionen, wie die Stadt einmal aussehen soll. Es ist eine schöne Stadt.
In der Mitte ein großer Kreisverkehr bzw. Park mit einer schönen Moschee und einem Einkaufszentrum.
Wir gehen zu einem schönen Lokal („Oda Garden“), das uns von den Betreibern des Campingplatzes sowie vom Taxifahrer empfohlen wurde. Wir sitzen im schönen Innenhof zu viert zusammen und unterhalten uns. Dabei stellen wir fest, dass wir die Enkelkinder von Rai(ei)ner und Ruth (den Kölnern) sein könnten. Wir lachen zusammen, und vor allem Rai(ei)ner erzählt ein paar Geschichten.
Wir lassen uns vom Kellner bei der Speisekarte helfen und bekommen so einen schönen Mix aus Vorspeisen: Aubergine, Kohlroulade (vegetarisch), Börek mit Spinat – einfach köstlich alles. Die Tomaten hier schmecken wirklich super!
Als Hauptgang gibt es eine Art albanische Frikadellen mit Soße und Kotelett. Wir platzen danach fast. Es gab für jeden noch zwei Bier (Punka Beer) vom Fass – das scheint nicht selbstverständlich zu sein, soweit ich das richtig verstanden habe.
Dann geht es ein bisschen bummeln durch die Straßen, mit einem weiteren Stopp im „Mon Amour“. Dort gibt es endlich Baklava für mich – ich liebe diese süße Nachspeise. Dafür war noch ausreichend Platz im Bauch.
Um 18 Uhr geht es mit dem Taxi zurück zum Camp. Dort werden noch zwei Bier verköstigt, die wir unterwegs im Supermarkt gekauft haben. Für das Taxi haben wir hin und zurück 30 € bezahlt (mit vier Personen).
Der Liter Diesel kostet hier stolze 1,76 €, und der Polizist, der uns in seinem Zweitjob als Taxifahrer gefahren hat, verdient in seinem Hauptjob 650 €.
Früüüüühstück. Donnerstag, der 17.04., beginnt mit einer Runde Aufwachen und wieder Einschlafen. Glaube ich.
Leider stelle ich gerade beim Schreiben (05.05.) fest, dass ich anhand der Fotomediathek meine Berichte weiterschreiben muss – bis zu einem gewissen Teil. Es kann also sein, dass die nächsten Tage etwas weniger umfangreich werden, aber mal schauen.
Wir müssen ja dann wohl irgendwann mal aufgestanden sein, um Frühstück zu machen. Ein netter Campingplatz, mit toller Aussicht auf den See, den wir da haben. Wir machen Rührei und es gibt Brot mit leckerer Feigenmarmelade von Mutti. Sinas Oma hat uns auch einige Gläser selbstgemachter Marmelade mitgegeben. Das wissen wir zu schätzen. Also: Der neue Tag ist da, wir haben gut gefrühstückt und es geht weiter durch Albanien Richtung Griechenland. Das heutige Ziel ist die Stadt Berat. Wir fahren gegen Mittag los und brauchen ungefähr zwei Stunden, da wir die etwas längere, aber laut Ruth und ihrem Reiseführer deutlich schönere Strecke nehmen. Diese Strecke vermittelt eindrucksvoll den Übergang von Albaniens urbanem Zentrum in die ruhigere, historisch geprägte Provinz. Unterwegs sehen wir kleine Flusslandschaften und Bauern, die Obst am Straßenrand verkaufen. Wir durchqueren verschiedene Städte und Dörfer wie Durrës, Kavaja, Lushnja und Fier, bis wir am Nachmittag in Berat ankommen. Wir haben über unsere App einen Stellplatz gefunden, der uns beiden zusagt. Es ist ein schönes Ankommen mit dem Auto in Berat. Wir fahren direkt durch die kleine Stadt und bekommen so schon einen ersten tollen Eindruck von der zweigeteilten Stadt, die in der Mitte durch ein großes Flussbett mit einem „kleinen“ Fluss (Osum) getrennt ist. Auf der einen Seite ist Berat, auf der anderen Seite ist Gorica – ein Stadtteil von Berat.
Unser Stellplatz für die Nacht befindet sich hier an einem der großen Metalltore, die vor den Einfahrten zu finden sind. Der Nachbar beobachtet mich dabei, wie ich versuche, die Tür in dem großen Tor zu öffnen, jedoch ohne Erfolg. Ich wollte schon wieder einsteigen, da gab der nette Mann mir zu verstehen, dass ich mit etwas mehr Wille die Tür öffnen darf. Ich hatte Angst, sollte ich zu fest drücken, würde ich das ganze Tor aus den Angeln bewegen – aber es klappte dann. Der nette Besitzer war gerade dabei, den Rasen, der für ca. vier Stellplätze ausreicht, zu mähen und unterbrach seine Arbeit sofort, als er mich erblickte. Wenig Englisch und umso mehr Herzlichkeit sorgten dafür, dass wir uns direkt willkommen fühlten und er uns alles freudig erklärte. Da wir alleine waren, hatten wir die Toilette, die ich immer gerne nutze, und die Duschen – die wir jedoch nicht brauchten – für uns alleine. Ich hatte noch versucht, ihm zu sagen, dass er seine Arbeit gerne zu Ende machen kann, auch wenn wir da sind – das kam aber für ihn nicht in Frage.
Wir machten uns kurz frisch und schauten uns die Stadt an, folgten einer Straße, an der sich rechter Hand ein Café nach dem nächsten um Kundschaft bemühte und zur linken ein kleiner Park lag. Gemütlich und schön. Dann eröffnete sich ein schöner Blick auf die Altstadt, der noch schöner ist, wenn man – wie wir – über die Brücke (Ura e Varur) nach Gorica läuft. Wir laufen durch die kleinen, schönen Gassen beider Orte und bekommen hier und da ein paar schöne Eindrücke und Informationen über die Geschichte des Ortes. Bevor es dunkel wird, gehen wir wieder zum Bulli, um etwas zu essen – es gibt (kein Foto und keine Ahnung mehr). Lecker war’s auf alle Fälle. Dann gehen wir noch einmal zurück und bewundern die Stadt im Abendlicht – schön beleuchtet. Hier hat man wohl die Weihnachtsbeleuchtung dagelassen – sieht ja auch im April noch schön aus. Stimmt wirklich! Dann gehen wir ins Bett, schauen noch GOT und schlafen. Ach ja, es gab noch ein Eis, welches leider nicht so lecker war. Albanien ist eben Baklava und nicht Eis. Gute Nacht.
Raus aus den nassen Kartoffeln und rein in die muckelige Brise – oder so.
Heute (18.04.) geht es endlich (nicht, weil uns Albanien nicht gefallen hat!) nach Griechenland.
Aber erstmal muss ich eigentlich wieder arbeiten. Das hatte ich allerdings zwei Tage vorher abgesagt, da wir uns für die Durchfahrt keine extra SIM-Karte mit Datenvolumen kaufen wollten.
Sina hatte auf dem Weg, kurz vor der griechischen Grenze, noch einen „Must-See“-Spot ausgemacht, den wir gerne sehen wollten. Also ging es am Morgen recht fix los.
Der Besitzer fragte uns noch, ob wir frühstücken möchten, was wir leider ablehnen mussten, da wir heute einiges vorhaben.
Das hat ihn jedoch nicht davon abgehalten, uns beiden einen frisch gepressten Orangensaft zu geben – aufs Haus, versteht sich. Wir haben ihn beim Bezahlen natürlich mit eingerechnet. Auch hier wieder ein toller Kontakt, der beide Seiten glücklich gemacht hat.
Halbzeitziel des Tages:
Die Sehenswürdigkeit Syri i Kaltër („Das Blaue Auge“) in Albanien.
Hier ein paar kurze Infos dazu:
Es befindet sich in einem geschützten Naturpark, eingebettet in eine dicht bewaldete, hügelige Landschaft am Fuße des Mali-i-Gjerë-Gebirges.
Geologische und hydrologische Fakten:
Art: Karstquelle (entsteht durch unterirdische Wasserströme in Kalkgestein)
Tiefe: Mindestens 50 Meter (Taucher sind bisher nicht bis zum Grund vorgedrungen)
Wassermenge: Zwischen 6.000 und 18.000 Litern pro Sekunde, abhängig von Jahreszeit und Niederschlag
Temperatur: Konstant 10–13 °C – auch im Sommer
Fluss: Die Quelle speist den Fluss Bistrica, der ins Ionische Meer fließt
Die Autofahrt dorthin dauert 3 Stunden und 30 Minuten, durch ruhige Landschaften, vorbei an Flüssen, die wie Gebirgsbäche durchs Gestein fließen.
An diesen Stellen gibt es kleine Büdchen, die jeweils ein Aquarium mit den gerade gefangenen Fischen ausstellen und verkaufen.
Im Internet lese ich parallel, dass die Straße bzw. der Weg zum Ziel nicht die beste sein soll – und ein Blick aufs Navi scheint das zu bestätigen: Wir brauchen noch 44 Minuten für … Trommelwirbel … 16 Kilometer. Uff.
Ich werde doch etwas unruhig, weil ich
keine Lust mehr habe, Auto zu fahren, und
mir nicht im ersten Monat schon den Bulli kaputt machen möchte.
Vor meinem inneren Auge sehe ich Bilder von Frodo auf dem Weg nach Mordor (Herr der Ringe) und erwarte das Schlimmste.
Doch wie überall, wo Tourismus ist, ist der Fortschritt (ich bewerte ihn nicht) schneller als jeder Deutsche beim Liegen reservieren.
Top Straße – sowohl zum Parkplatz als auch von dort zur Quelle. Gut für den Tourismus. Die Umwelt so: „Mmm… weiß ich nicht, Digga.“
Es ging dann doch schneller als angegeben.
Dort angekommen, ist der Parkplatz zu 30–40 % gefüllt, die Sonne scheint, und wir laufen 20 Minuten – oder man leiht sich einen E-Roller, wenn man zu faul ist.
Ein schöner Spaziergang, leider über Asphalt, zur Quelle. Die ist wunderschön – und damit lasse ich ab jetzt die Bilder sprechen, denn alles Wichtige ist bis hierhin gesagt.































