Reisebericht Zeitraum 04.05-11.05

Reisebericht Zeitraum 04.05-11.05 

Athen (GR) Akropolis. Griechenlands Wahrzeichen. Gut und teuer

Schichtwechsel unterhalb der Demokratie


Was für ein toller erster Eindruck in Athen, so darf es gerne weitergehen. Wir stehen also rechtzeitig auf, um den heutigen Tag (04.05) in Athen gut nutzen zu können. Das erste Ziel liegt direkt im Zentrum an der Haltestelle Syntagma am griechischen Parlament. Wir schauen uns den Wechsel der Wachen von der Eliteeinheit „Evzonen“ (tragen die berühmte Fustanella (weißes Faltenröckchen), rote Tsarouchia (Schuhe mit Quasten) und weiße Strümpfe) am Grab des unbekannten Soldaten an. Gelebt wird es zum Teil als militärisches Ritual, aber auch als Touristenmagnet. Da es recht voll ist, hole ich mir, ganz der Grieche, noch schnell einen Frappee am Café, um die 45 Minuten lange Aktion in praller Sonne zu genießen. Danach gehen wir entlang neuer klassischer Einkaufsstraßen in Richtung der alten kleinen Basargassen, um etwas zu frühstücken. Sina hat einen schönen Laden mit veganen Möglichkeiten rausgesucht. Es schmeckt uns beiden sehr gut. Danach müssen wir mir eine neue Zahnbürste kaufen, meine ist leider kaputt. Wir gehen in ein Hondas Center (wie Karstadt oder Galeria). Beim Bezahlen werde ich gefragt, ob ich Taxfree (ohne Steuern) zahlen möchte. Ich bin ja nicht doof und sage natürlich ja. Sie möchte gerne einen Ausweis von mir sehen, das möchte ich nicht so gerne, ich will einfach nur sparen. Ich sage, den habe ich im Hotel vergessen. Wo ich denn herkomme, möchte die Verkäuferin wissen. „Aus Germany“, sage ich. Da gibt es leider kein Taxfree, nur in den USA. So ein Mist, denke ich… Aber meine Freundin, die wohnt doch in den USA. Ich sage, mit voller Überzeugung, um nicht doof dazustehen, dass meine Freundin aus Kalifornien kommt. „Das ist ja super“, sagt sie, dann ist das kein Problem, sie brauche nur noch ihren Ausweis. Sina schaut mich fragend an. Leider hat auch sie ihren Ausweis nicht dabei. Auch das sei dann doch kein Problem, wenn ich ihr den Namen meiner Freundin aufschreibe, und mit der Adresse würde es auch so gehen. Ich wittere eine Chance, die Steuern doch noch umgehen zu können. Sina sagt mir, kurz bevor sie aus dem Geschäft flüchtet, um nicht ins Gefängnis zu kommen, sollte ich dort irgendetwas hinterlassen, das auf sie nicht zurückzuführen wäre, sonst müsste ich nach Dortmund laufen. Aber ich habe ja Fantasie, meine Freundin heißt Claudia Broksmith und wohnt in den Hollywood Hills 43. Es soll ja auch realistisch sein. Ende vom Lied: Ich zahle den vollen Betrag und bekomme die Info, dass ich mit dem Bon am Flughafen die Steuern wiederbekomme. Danke für nichts, aber wieder etwas gelernt. Ich zahle natürlich bar, weil ich auch Angst habe, dass sie mich sonst zurückverfolgen. Nach dem Schock gehen wir dann erstmal Mittagessen im Vegan Beat und machen uns danach auf zur Akropolis. Dort angekommen zahlen wir 30 € pro Person an Eintritt… Geschichte hat und hatte schon immer einen Preis. Es ist interessant und Wahnsinn, was früher doch alles schon gebaut wurde und wie lange das erhalten ist in einigen Teilen. Wir genießen den Wind dort oben und die Aussicht. Abends gibt es noch einen Burger um die Ecke und wir laufen nach dem Sonnenuntergang durch die schön beleuchtete und belebte Stadt zur Haltestelle zurück und fahren nach Hause. Καληνύχτα

Athen (GR) Wir zwei Zuckermäuse
Athen (GR) Wir zwei Zuckermäuse

Glück im Unglück

Wir verlassen die Großstadt (05.-08.05), den Trubel sowie den Tourismus Richtung Evia (GR). Dies ist zum einen Heimat der Griechen, wenn sie Urlaub machen, und zum anderen das unbekannte schöne Griechenland – die zweitgrößte Insel des Landes nach Kreta. Dort haben wir einen schönen Stellplatz ausgemacht in einer einsamen Bucht mit einer guten Taverne, wenn dem Internet Glauben zu schenken ist. Dauer der Fahrt sind ca. 2 Stunden. Sina fährt und ich schreibe an meinen Berichten, als wir plötzlich am Seitenrand stehen bleiben. Ich schreibe noch kurz, bis ich hochschaue und Sina mich mit großen Augen und blassem Gesicht anschaut. Sie fragt: „Hast du das Quietschen gerade gehört?“ – „Ja“, sage ich, habe mir aber nichts dabei gedacht. „Ich glaube, da ist gerade ein Auto hinter uns in den Graben gefahren“, sagt Sina. Ich steige aus, um nachzuschauen. Tatsächlich steht da ein Auto ca. 15 Meter von der Straße entfernt im Feld hinter dem Graben. Ein jüngerer Mann steigt aus mit dem Wort „Efcharistó“. So gut ist mein Griechisch mittlerweile, dass ich es verstehe und weiß, dass es „Danke“ oder „Gerne geschehen“ heißt. Ich bin irritiert und frage auf Englisch, ob ich helfen kann und ob es ihm gut geht. Er antwortet nicht. Ich fasse es kurz: Es kommt noch ein Anwohner, bei dem ich das Gefühl hatte, dass er uns nichts Gutes wollte, und der Besitzer des Autos wollte die Polizei rufen – wohl, um uns eine Schuld/Teilschuld anzulasten. Wir wollten an dieser Stelle der Straße drehen, er dachte wohl, weil wir so langsam fuhren, dass wir hier rechts abbiegen, und nicht nach links zum Drehen ansetzen. Er wollte uns überholen, musste und hat dankenswerterweise auch nach rechts gezogen, um nicht in unsere Seite zu fahren, und ist ins Feld gefahren. Grundsätzliches Problem: Auch in kleinen Ortschaften wie dieser ist 50 km/h statt 90 km/h, aber das lohnt sich für 90 % der Fahrer nicht. Die Polizei kommt, ich habe zum Glück Fotos gemacht und einen netten Übersetzer, der noch dazugekommen ist, und wir dürfen dann ohne Probleme und zu Recht frei von Schuld weiterfahren. Das ist nochmal ein Wachrütteln, wie schnell es gehen kann. Wir fahren nach 5 Minuten nochmal rechts ran, ich brauche eine Zigarette, und kommen dann gegen Nachmittag sicher an unserer schönen Bucht an. Es ist traumhaft schön und wir sind die Einzigen. Das ist genau das Richtige jetzt, um den Trubel und das Geschehen des Tages fallen zu lassen und sich zu erholen. Wir bleiben hier bis zum 08.05 und haben eine wundervolle Zeit. Wir sind bis auf ein anderes Pärchen mit ihrem Womo alleine, essen mittags in der Taverne, die sonst nicht besucht wurde in dem Zeitraum. Das Essen ist sehr gut, ich kann es gut arbeiten, und jetzt, wo ich so daran denke, hätten wir noch länger bleiben sollen. Es war etwas Besonderes, dort so sein zu dürfen mit dem Bulli. Ein wirklich einzigartiger Ort bis hierhin. Καληνύχτα

Mesochori (GR) Nach dem Schreck im Paradies angekommen

Nach dieser tollen Auszeit – übrigens, ich schreibe mal wieder, wir haben August… Aber heute ist ja erstmal der 09.-10.05 – fahren wir zurück Richtung Festland und planen eine Übernachtung in der Stadt Eretria (GR) am Milos Camping. Dort angekommen suchen wir uns einen schönen Platz aus, etwas weiter hinten abseits des Trubels. Wir richten uns ein, machen alles fertig und laufen teils am Wasser, teils an der Hauptstraße zum Ort selber. Wir suchen eine schöne Promenade. Vom Betreiber haben wir gehört, dass Eretria (GR) eine der schönsten Städte auf Evia sein soll. Wir können es nicht unbedingt bestätigen. Es ist dennoch ein schöner Spaziergang. Die Promenade ist etwas in die Jahre gekommen. Eine Mischung aus Leerständen und Restaurants, die jeweils Platz für gefühlt 200 Personen haben, davon dann 10 Stück. Auslastung lag zu dem Zeitpunkt bei 1 % und leider sind auf derselben Straße die ganze Zeit Autos 1 Meter neben einem hergefahren. Für den Abend habe ich über Maps ein nettes Restaurant gefunden. Etwas abseits der Straße haben wir es dann auch gefunden, es hatte offen, aber wir waren die Einzigen. Let’s give it a try. Wir setzen uns hin, werden von der augenscheinlichen Besitzerin begrüßt. Sie gab mir ein paar Oma-Vibes, ca. um die 65, herzlich und wohlgenährt. Wir bekommen einen Zettel, auf dem steht: „Herzlich willkommen in meinem Restaurant. Ich koche seit 30 Jahren und mache es mit Leidenschaft. Ich bitte Sie, mir zu vertrauen. Hier gibt es keine Speisekarte. Es gibt das zu essen, was ich heute gekocht habe. Ich freue mich, für Sie das Essen zuzubereiten. Wenn Sie vegetarisch oder vegan sind, sagen Sie bitte Bescheid.“
Das kam unerwartet. Aber wir lassen uns gerne überraschen und sagen, dass wir keine Einschränkungen haben. Wir bekommen einiges auf den Tisch. Von Fleisch über Gemüse, Dinge, die uns bekannt sind, eine Art Spinatsalat, der auf Nachfrage keiner ist. Was es ist, bekommen wir aber nicht raus. Das gibt es wohl nur in Griechenland und ist etwas Saisonales und Lokales. Wir haben ein tolles Essen, platzen fast, als wir bezahlen, und rollen in aller Ruhe wieder zurück zum Bulli. Für das Essen mit Getränken, Vor-, Haupt- und Nachspeise für 2 Personen bezahlen wir 38 €, natürlich exkl. Trinkgeld. Am nächsten Tag passiert nicht viel, wir gehen einkaufen und finden einen neuen tollen Käse. Eine Alternative zum Comté-Käse: den Graviera-Käse. Sehr gut! Wir waschen noch eine Maschine Wäsche und damit war der Tag dann auch um. Καληνύχτα

Eretria (GR) Man isst, was auf den Tisch kommt. Ein Dank geht raus für das leckere Essen 🙏

Wir brechen auf zu einem Naturschauspiel, das wohl einmalig auf der Welt ist und an dem auch Aristoteles verzweifelt ist. 11.05: Wir fahren eine Stunde entlang der Küste, sehen noch ein von Flugzeugen in den Himmel gemaltes Herz und kommen nach kurzer entspannter Fahrt am Grenzpunkt der Insel Evia/Euböa und dem Festland an. Der so unscheinbare, aber auch bekannte Ort ist Chalkida (GR). Wir finden einen netten Platz auf einem Parkplatz, direkt am Wasser gelegen, mit uns sind noch 2 weitere Camper da. Da wir direkt die Stadt erkunden wollen und das einmalige Schauspiel in natura erleben möchten, verlieren wir nicht viel Zeit. Solarpanel aufs Dach, Sitzbank drehen und ab geht’s. Auf den ersten, fast auch auf den zweiten Blick merkt man nicht, was dort Einzigartiges vor sich geht. Hätte Sina dies nicht recherchiert, wäre es mir wohl verborgen geblieben. Hier jetzt aber endlich die Erklärung: In Chalkida, an der schmalen Euriposstraße zwischen Evia/Euböa und dem griechischen Festland, kehrt sich die Strömung des Wassers mehrmals täglich auf spektakuläre Weise um. Dieses seltene Naturphänomen ist weltweit einzigartig und fasziniert seit der Antike Gelehrte und Besucher gleichermaßen. Danach schauen wir ein paar Anglern beim Fischen zu und bekommen Hunger. Wir gehen in ein kleines Restaurant (MEZENOTWAEÍO OpTavoía) etwas bergauf und essen ein super leckeres Fladenbrot mit mixed minced meat. Das war wirklich lecker. Weil es dort so warm ist, muss eine Abkühlung her. Dank der Firma Wallmeyer, die mich mit dieser Köstlichkeit vertraut gemacht hat, finde ich ein nettes Lokal, in dem es den feinen Tropfen aus der Flasche der Kellerei von Veuve Clicquot gibt. Da ich mit Sina noch gar nicht richtig auf ihr Studium angestoßen habe, bleibt mir ja fast nichts anderes übrig. Wir bekommen für 6 € pro Glas, was ein guter Preis ist, ein warmes Glas. Aber egal, in erster Linie soll es ja auch helfen und nicht nur schmecken. Wir sitzen dort gemütlich, ein bisschen Wind weht und wir trinken danach noch einen Cocktail. Wir entscheiden, noch meine Angelsachen zu holen, um beim Sonnenuntergang die Atmosphäre zu genießen und lassen den schönen Tag so in Ruhe ausklingen. Καληνύχτα

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen